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Božena-Němcová-Theater historische Gebäude

Adresse

Ruská 102
Františkovy Lázně
351 01


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Beschreibung

Das Božena-Němcová-Theater und das Städtische Kulturzentrum Františkovy lázně ist der Kulturtempel des Kurortes mit einem üppigen Programm aus Schauspielen, Operetten und Konzerten. Neben gastierenden Ensembles treten auf der hiesigen Bühne regelmäßig auch örtliche Laientheatergruppen auf.

Kulturleben gehört einfach zum Kurortkolorit und hoffentlich bleibt dies auch so. Wer würde sich auch nicht gern amüsieren. Deshalb war auch Franzensbad von seiner Gründung an ein beliebtes Ziel von Komödianten- und Sängergesellschaften. Vorstellungen fanden nachgewiesenermaßen schon 1808 im hierzu hergerichteten Erdgeschoss des Wirtschaftsgebäudes am Gesellschaftshaus statt, hier gastierten zufällige und kurzfristig engagierte Schauspielergruppen mit possenhaften Szenen mit Gesängen und Couplets. Dabei ging es um saisonale Stücke erbärmlichen Niveaus, zudem in schäbigem Milieu. Es mag dieser Eindruck gewesen sein, den Johann Wolfgang Goethe möglicherweise die Feder spitzte, als er in seinen Notizen von seiner Reise durch westböhmische Bäder folgende Kritik über die Vorstellung „Samson“ schrieb: „Eine Art Melodrama, an sich schon scheußlich, in noch scheußlicherer Darbietung. Die Schauspieler spielten grotesk. Während der ganzen Vorstellung war keine einzige normale Stimme zu hören. Die Frauen abscheulich“. Ein bisschen hämisch sei angemerkt, dass in unseren Breiten damals nur deutsches Theater gespielt wurde.

Das Theatergeschehen im zweiten Gebäude war, nach den Kunstgesellschaften und dem Repertoire zu urteilen, von entschieden höherem Niveau. Der international geprägte Kurort erlebte seine Blütezeit und so konnte es sich die Stadt leisten, nach den Plänen des Wiener Architekten Hügl ein neues Stadttheater zu bauen. 1868 öffnete es feierlich seine Tore, bereits an dem Platz, der auch heute dem Theater vorbehalten ist. Und zwar mit der Operette „Die schöne Galathée“ von Franz Suppé. Das Theater wurde professionell geleitet und in den als Teil der Kur angesehenen Vorstellungen traten Künstler und Ensembles beispielsweise aus Prag, Wien, Berlin oder München auf. Das Repertoire konnte durchaus auch Anspruchsvolle zufrieden stellen, auf dem Spielplan standen namentlich Operetten, wie Die schöne Helena, Der Zigeunerbaron, Orpheus in der Unterwelt, Die Fledermaus, Blaubart, Boccaccio, Der Vogelhändler, Der Postillion von Lonjumeau, Die Großherzogin von Gerolstein… Aber auch dieses Theater von antikem Charme wurde in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zu eng und so beschlossen die Stadtväter seinen Ausbau. Das Projekt wurde an Arch. Prof. Artur Payr von der deutschen technischen Hochschule in Prag vergeben. Die Arbeiten begannen am 14. 11. 1927 und schon im Juli des folgenden Jahres wurde das neuklassizistische Gebäude mit dekorativen Elementen Art déco seiner Bestimmung übergeben. Zu Zeiten des größten Interesses des Publikums am sog. Kur-Repertoire wurde auch täglich gespielt, wobei sich die Stagionen deutscher und tschechischer Opern- und Operettengesellschaften größter Beliebtheit erfreuten. Das Theater blieb vor der sog. Modernisierung verschont und bewahrte sich so bis in die Gegenwart sein zauberhaftes, trautes und freundliches Ambiente. Und sicher war und ist dieser Umstand einer der Hauptgründe des ununterbrochenen Wirkens des hiesigen Theaterensembles.

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